| workshop hannover e.v., Zentrum für kreatives Gestalten |
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| go smART! - Freiraum für deine Ideen Ein Projekt im Modellprojekt „Lebenskunst lernen“ der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V. |
Schuljahr 2008/2009
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Expertinnen und Experten für die eigene Lebenswelt
Bei go smART! waren Jugendliche zunächst einmal Expert/innen für ihre eigene Lebenswelt. Zwei Künstlerinnen und zwei Künstler aus dem Kreativzentrum workshop hannover e.v. und eine Lehrerin der Integrierten Gesamtschule Kronsberg in Hannover haben mit Achtklässlern Themen erarbeitet, die für ihre persönliche Lebenssituation relevant sind. Diese wurden möglichst selbst organisiert und prinzipiell ergebnisoffen künstlerisch bearbeitet. Es fand nicht in der Schule statt, sondern in den Räumen des workshop hannover e.v., die sich in einem großen Kulturzentrum in Hannovers Innenstadt befinden. Am Projekt go smART! nahmen zwölf Schülerinnen und zwei Schüler im Alter von 13 - 15 Jahren teil, sieben davon mit Migrationshintergrund. Beteiligt waren die Lehrerin Carolin Gümmer von der IGS Kronsberg, die Künstlerin Anne Brömme, die Tischlerin Irene Villiger, die Maler Nigel Packham und Stefan Stettner (alle workshop hannover e.v.) sowie als Projektmanagement Sybille Linke (Geschäftsführung) und der Künstler Burkhard Scheller (Vorstand workshop hannover e.v.). Neue Formen, neue Räume Der workshop hannover e.v. hatte an der IGS Kronsberg schon mehrere Projekte mit Kunst durchgeführt: Unter Anleitung von Künstler/innen gestalteten Schülerinnen und Schüler Teile des Schulhofs mit einem Mosaik und Windobjekten aus Metall. Daher lag es nahe, die Kooperation weiter zu führen. Für den pädagogischen Leiter Rudolf Kleine-Huster war es wichtig, gerade für die Schüler/innen der achten Klassen ein kulturelles Projekt mit einem außerschulischen Partner anzubieten. Er sah in go smART! eine Chance für die Schüler/innen, von den Künstler/innen so angenommen zu werden, wie sie sind, ohne Leistungsdruck und Notenstress. In unserem mehrjährigen Projekt Fantastische Baustelle (im Rahmen des Modellprojektes Lernende Regionen) haben wir mit Teilnehmergruppen aus unterschiedlichen Alters- und Bildungsniveaus neue Lernformen entwickelt, neue Lernorte erprobt und versucht, kreative Anteile in die Lehrpläne von allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen zu integrieren. Es schien also folgerichtig zu sein, für das Modellprojekt Lebenskunst lernen eine Kooperation mit der IGS Kronsberg zu entwickeln. Wir entwarfen ein künstlerisch-pädagogisches Konzept, dass es in dieser konsequenten Form an der Schule nicht gibt, nämlich ausschließlich an den Interessen der beteiligten Jugendlichen anzusetzen, an ihren Stärken und Potentialen. Der Lernprozess, der sich daraus ergibt, sollte spielerisch sein, lustvoll und grundsätzlich ergebnisoffen. Inspiriert hat uns dabei eine Idee von Playing Arts, bei der es „um das selbstbestimmte Aufnehmen der eigenen ästhetisch gestalterischen (Lebens-) Spur in Wechselbeziehung mit Anderen - und das ohne direktive (pädagogische) Anleitungen“ geht. go smART! wurde als freiwillige, wöchentlich stattfindende Nachmittags-AG für Schüler/innen aus allen achten Klassen in den Räumen des workshop hannover e.v. durchgeführt. Für die vier Künstler/innen teilte sich die Projektzeit, sie arbeiteten zum Teil abwechselnd, waren also nicht immer alle gleichzeitig anwesend. Die Künstlergruppe hat sich regelmäßig zur Vorbereitung der AG-Termine getroffen. Zudem gab es mehrere Treffen zwischen den Künstler/innen, der zuständigen Lehrerin und dem Projektmanagement aus dem workshop hannover e.v., um den Arbeitsprozess zu reflektieren. Wir haben uns bewusst für einen außerschulischen Lernort, nämlich die Werkstatträume des workshop hannover e.v. entschieden. Für das Projekt schien es stimmig, den Schüler/innen Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen, die sie in der Schule nicht vorfinden. Es war offensichtlich, dass die Jugendlichen die „Atelier-Atmosphäre“ im workshop hannover e.v. genossen haben. Damit die Öffentlichkeit im Stadtteil das Projekt wahrnehmen konnte, war es uns wichtig, dass die Arbeitsergebnisse im Stadtteilzentrum KroKus im Stadtteil Kronsberg ausgestellt werden konnten. Es gab dort eine Präsentation von Zwischenergebnissen aus der Übungsphase und eine Abschlussausstellung mit den künstlerischen Ergebnissen. Auf dem Weg zur Kunst Bei der Konzeption des Projektes war es uns wichtig, Kunst als Freiraum zur Gestaltung erlebbar machen. Den Jugendlichen sollte ermöglicht werden, von Künstler/innen zu lernen, selbst organisiert zu forschen und eigene Ideen gestalterisch umzusetzen. Wir wollten einen Raum für das „Abenteuer Bildende Kunst“ schaffen, den wir „Open Space Lab“ nannten: Eigene Ideen entwickeln und weiter verfolgen, gestalterische Techniken kennen lernen, aber auch Kompetenzen entwickeln wie z.B. das Reflektieren und das gegenseitige Präsentieren von Arbeitsergebnissen, Geduld und Frustrationstoleranz entwickeln. In der ersten Projektphase ging es darum, durch Übungen zu Linie, Farbe und Struktur spielerisch Kontakt herzustellen: einerseits innerhalb der Gruppe, andererseits zu Material, zu Farben, zu gestalterischen Prinzipien. Danach konnten die Schüler/innen ganz eigene Interessen in Techniken ihrer Wahl verfolgen: D.h. sie bemalten T-Shirts, schnitzten Schlüsselanhänger aus Speckstein, modellierten Figuren aus Modelliermasse. Nach der Übungsphase gab es die Phase der Ideenfindung in kleineren Gruppen. Hier benötigten die Jugendlichen in einem aufwändigen und dem Einzelnen zugewandten Prozess Zuspruch und Ermunterung durch die Künstler/innen, um Zugang zu ihren eigenen Themen zu finden. In Einzel- und Gruppengesprächen wurden die persönlichen Fragestellungen erarbeitet. Anschließend arbeiteten die Jugendlichen alleine oder in Zweierteams an der gestalterischen Umsetzung ihrer Ideen: Es wurde gemalt und plastiziert, eine Installation gebaut, eine Figur aus Pappmaché gestaltet. Einige haben die Idee einer unendlichen Kunst-Kiste realisiert, eine Art Ausstellungsmobil, das jedes Klassenzimmer in einen Kunstraum (im doppelten Wortsinn) verwandelt. Am Ende einer jeden Sitzung der AG wurden die entstandenen Arbeiten gemeinsam mit den Künstler/innen von der gesamten Gruppe betrachtet und reflektiert. Mitmachen go smART! ermöglichte auch und gerade den Jugendlichen mit Migrationshintergrund kulturelle Teilhabe. Ein Beispiel (zitiert aus einem Text für den Kompetenznachweis) mag erläutern, wie das vor sich ging: Zu Beginn des Projektes frage ich C., was ist dir wichtig, was beschäftigt, interessiert dich? Für C., gebürtige Kurdin, ist dies sofort klar: mein Land. In großer Klarheit weiß sie, was sie will: Frieden, Verständigung zwischen den Völkern. Aus dieser Idee entwickelt sich das Thema, sie modelliert eine Hand aus Ton, deren Finger sich zum PEACE- zum Friedenszeichen formen. Für sie symbolisiert dieses Zeichen Stärke, Tapferkeit, innere Kraft, Gemeinsamkeit ohne Angst. In Selbstständigkeit und motiviert arbeitet sie an den plastischen Skizzen und entwickelt die technischen Möglichkeiten zur großen Umsetzung. Dabei geht sie zielorientiert und mit großer Konzentration und Präsenz vor. Meine gesamte Aufmerksamkeit war da, wo ich gearbeitet habe. (...) Zum Abschluss entsteht ein großer Teppich von vielen Flaggen der Länder der Erde. Sie bindet mehrere Mitschüler in diese Arbeit ein, eine Art Analogie zum Thema. Den eigenen Ausdruck finden Auch wenn es hin und wieder Probleme bei der Findung von Themen und bei der gestalterisch-technischen Umsetzung gab, haben alle teilnehmenden Jugendlichen am eigenen Ausdruck und damit auch am eigenen Selbst-Bewusstsein gearbeitet. Ein weiteres Zitat aus einem Kompetenznachweis soll das exemplarisch verdeutlichen: M. malte mit Acrylfarben auf Leinwand nach dem Prinzip des Zufalls. Durch die spontan entstandenen Strukturen und Farben ließ sie sich leiten und gestaltete autonom und selbstständig ihren künstlerischen Entwicklungsprozess, indem sie sich von bekannten Konzepten löste, spontane Einflüsse zuließ. Mein Bild ist jetzt fertig und ich finde es toll! Die Künstler/innen zeigten sich ebenso zufrieden mit den Arbeitsergebnissen. Für sie war die Schulung der Wahrnehmung insgesamt wichtiger als das, was geleistet wurde getreu der Maxime von Paul Klee: Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern Kunst macht sichtbar. So sagt eine Schülerin: Ich habe viel gesehen, das ich noch nicht kannte, zum Beispiel, dass es ganz verschiedene Rot-Töne gibt. Freiraum - eine Herausforderung Das Konzept, konsequent an den Interessen der Jugendlichen anzusetzen, war für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung, die zusätzliche Zeit gebunden und auch Widerstände bei den Teilnehmenden hervorgebracht hat: Zunächst wussten die Jugendlichen nicht, was sie machen sollten , und wünschten sich normalen Unterricht. Andererseits empfanden sie Vorgaben der Künstler/innen auch als einschränkend, so dass es irgendwann hieß: Wir machen nur, was ihr wollt und dabei habt ihr uns versprochen, dass wir selber bestimmen können. Auf Seiten der Künstler/innen galt es dann, die eigenen Ansprüche und Vorstellungen zu korrigieren: Was tun, wenn die Schülerinnen T-Shirts bemalen wollen oder Comicfigürchen basteln möchten? Dies haben die Künstler als Schritt auf dem Weg zu den eigenen Interessen, zum eigenen Thema und zum eigenen Ausdruck akzeptiert. Dass das funktioniert hat, mag folgendes Zitat belegen, indem eine Schülerin den Bau einer Skulptur beschreibt: Wir wussten nicht, was wir machen wollten und haben einfach angefangen. (...) Ich habe an diesem Tag das erste Mal gebohrt. Ich fand das eigentlich nicht schlimm. Dann kamen die Ideen von selbst. Langsam entstand die Idee, eine Naturstatur zu machen. Wie sich die Frustrationstoleranz der Schüler/innen erhöht hat, zeigt ein Beispiel auf eindrucksvolle Weise: Die Tonplastik einer Teilnehmenden zersprang beim Brennen im Ofen in tausend Stücke. Die Schülerin hat sich daraufhin entschieden, eine Zeichnung der Plastik anzufertigen und diese dann zusammen mit den Scherben auszustellen. Kommunikation Die Zusammenarbeit zwischen den Künstler/innen und auch mit der Lehrerin verlief nicht immer reibungslos. Insgesamt war der Kommunikationsbedarf sehr hoch und nicht immer leicht zu bewerkstelligen. Schon fünf Personen terminlich zusammen zu bringen, war ein Problem. Die Projektmittel waren zu beschränkt, um alle notwendigen Treffen angemessen honorieren zu können. Die Künstler/innen waren irgendwann nicht mehr bereit, sich immer wieder über die bezahlten Stunden hinaus zu treffen. Es ist deutlich geworden, dass die ungleiche Honorierung der pädagogischen Arbeit auf der einen und der künstlerischen Arbeit auf der anderen Seite sowie der Umgang mit Zeit Konfliktpotential birgt. Die Künstler/innen hatten den Eindruck, dass der Kontakt zur IGS und auch zum Stadtteilzentrum KroKus mangelhaft war. Sie hätten sich mehr Wertschätzung durch die Schule gewünscht. Ein Beispiel: Außer dem Sozialarbeiter und der am Projekt beteiligten Lehrerin hat kein Lehrer die Projektpräsentation im Stadtteilzentrum besucht. Kompetenz Zwei Künstler/innen und die Lehrerin haben sich von der BKJ zum Kompetenznachweis-Kultur-Berater fortbilden lassen. Insgesamt wurden acht Kompetenznachweise ausgestellt. Durch den Kompetenznachweis Kultur haben die Jugendlichen gelernt, ihre eigene Entwicklung wahrzunehmen: Ganz schön viele Kompetenzen habe ich! , sagte eine Schülerin. Um die Kompetenzentwicklung der gesamten Gruppe zu beurteilen, wäre eine noch längere Zusammenarbeit notwendig gewesen. Allgemein lässt sich sagen, dass die Jugendlichen gelernt haben, sich besser zu konzentrieren. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten ist es allen gelungen, ein Thema zu finden und es zu bearbeiten. Im Verlauf des Projekts haben sich die Jugendlichen gegenseitig zunehmend in ihrer Arbeit unterstützt und ermutigt, aber auch Kritik geäußert. Die Lehrerin, die die AG-Sitzungen begleitete und dokumentierte, hat beobachtet, dass es für die Jugendlichen etwas Besonderes war, mit den Künstlern zu arbeiten: Es bedeutet meinen Schülern ganz viel, dass sich die Künstler Zeit für sie nehmen und auf sie eingehen. Die Jugendlichen haben sich auf die AG-Termine gefreut. Einige waren besonders motiviert: Können wir uns nicht noch an einem anderen Tag treffen, damit ich meine Arbeit auch beenden kann?! Künstler als Kunst-Vermittler Zur professionellen Selbstwahrnehmung der Künstler als Kunst-Vermittler hat das Projekt beigetragen, indem eigene Kompetenzen bewusster geworden sind, u.a. die Fähigkeit, sich und andere realistischer einzuschätzen: Eigene Stärken und Schwächen sind deutlicher geworden. Ich habe gemerkt, dass ich das kann. Ich überschätze die Fähigkeiten anderer. Durch die Arbeit mit den Schülern komme ich von meinen idealisierten Vorstellungen herunter. Die IGS Kronsberg hat ein Profil, in dem der Bereich Musik-Kunst-Kultur neben neuen Medien und Ökologie einen pädagogischen Schwerpunkt darstellt. Insofern hat die Schule ein besonderes Interesse an Kulturangeboten in der Schule. Aus der Wahrnehmung der Lehrerin waren die Schüler/innen hin und wieder überfordert: Die Schüler sind manchmal hilflos, weil sie einfach nicht wissen, was ihr Thema ist. Sie haben nicht gelernt, Kontakt zu sich selbst aufzunehmen. Und: Wichtig wäre es (...) für die Künstler, bei der Planung das Alter der Schüler und die damit verbundenen Fähigkeiten genau mit einzuplanen. Dennoch zieht sie eine positive Bilanz: Insgesamt war es gerade für die Schüler ein intensives und bereicherndes Jahr. Die positive Rückmeldung auf ihre Fähigkeiten hat sie meist überrascht und erfreut und war ein Anfang (...). Perspektiven Die Künstler/innen haben die Zusammenarbeit mit der Schule als verbesserungswürdig angesehen, obgleich sie die beteiligte Lehrerin als sehr offen und engagiert wahrgenommen haben. Bei einem Folgeprojekt würden wir, möglichst für alle sichtbar, in der Schule arbeiten. Und wir könnten uns einen Platz für die Künstler/innen im Lehrerzimmer vorstellen. Die Lehrerin zur Kooperation mit den Künstler/innen aus dem workshop hannover e.v.: Dieses Projekt halte ich auf jeden Fall für sinnvoll und es wäre wirklich schön, wenn auch andere Schüler durch eine längere Zusammenarbeit mit Künstlern profitieren könnten. Der pädagogische Leiter der IGS Kronsberg hat Interesse daran geäußert, dass wir unsere Kooperation fortsetzen, ebenso wie zwei Künstler aus dem Projekt und die Geschäftsführung des workshop hannover e.v. Wir wollen aus den Erfahrungen mit go smART! lernen. D.h. dass die Fachbereichsleitung Kunst+Musik und zwei weitere Lehrkräfte von der IGS über einen Zeitraum von zwei Jahren hinweg gemeinsam mit dem workshop hannover e.v. ein Konzept für eine engere Kooperation entwickeln sollen, um eine stärkere Verankerung und damit Akzeptanz der Kooperation mit einem außerschulischen Kulturpartner in der Schule zu erreichen.
Alle sind zur Kunst gekommen
Ein Künstler fasst zusammen: Alle sind zur Kunst gekommen. (...) Wir haben in der Schule eine endlose Kunstkiste, die jeden Klassenraum in einen Kunstraum verwandeln kann, als Samen platziert. Möge er gedeihen. Bewährt haben sich
Wenn wir noch mal beginnen könnten, würden wir
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