Dialektik ästhetischer Chirurgie

Anna Henke

Eröffnung: 19.08.2016 19:00 Uhr
  • 22.08.2016 - 30.09.2016
Dialektik Ästhetischer Chirurgie
Lücke Fotos
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Dialektik ästhetischer Chirurgie
Die Künstlerin Anna Henke untersucht in ihrer aktuellen Ausstellung im workshop hannover den weiblichen Körper aus unterschiedlichen Perspektiven – als Medium und Projektionsfläche und als Gegenstand der Kunst und Kultur. 


Welche Ideale von Schönheit prägen uns? 

Wer oder was definiert unsere Konzepte von Schönheit und Körperlichkeit? 

Was entsteht, wenn wir uns Möglichkeiten körperlicher Transformation und Selbstgestaltung aneignen? 


Diesen Fragen nach weiblicher Körperlichkeit und Identitätsbildung geht Anna Henke in fragilen Skulpturen und prozesshaften Objekten, auf Fotos oder zeichnend auf Papier nach. 
Was die Künstlerin zeigt, sind Körper, Köpfe und Torsi, die als archetypische Chiffren erscheinen. Es sind immer wieder Fragmente von Körpern – durch Seile zergliederte und definierte Figurinen oder von ornamentalen Narben gezeichnete Antlitze. 
Das ist nie voyeuristisch, aber immer voller Neugierde für die Ambivalenz von Schönheit und Körperlichkeit jenseits gängiger Klischees. 

Anna Henke wurde 1986 in Herford geboren. Henke studierte an der HBK Braunschweig, seit 2011 in der Klasse für Bildhauerei bei Raimund Kummer. Die im workshop zu sehende Werkrgruppe „Fragmente“ realisierte sie von 2011–2013. 
Für die Ausstellung in Hannover hat sie die Arbeiten um neueste Fotografien ergänzt. 


Eröffnung: 19. August 2016 um 19 Uhr 

Einführung: Nigel Packham, Künstler 


Öffnungszeiten: 

Mo – Fr       10 – 13 Uhr 
Mo, Di, Do    16 – 18 Uhr 
oder nach telefonischer Vereinbarung
samstags, sonn- und feiertags geschlossen 

Eintritt frei


Dialektik Ästhetischer Chirurgie









Dialektik ästhetischer Chirurgie
Ein Versuch einer Analyse. 
Ein Experiment. 
Eine Untersuchung im Zentrum der Peripherie.

Fragen, Thesen und Fakten zu globalen ästhetischen Praktiken 

Die künstliche Verschönerung des eigenen Körpers ist eine universelle Praktik, die in den verschiedenen Kulturen zu unterschiedlichsten Formen der Veränderung führt. 
Körper werden tätowiert, bemalt und teilweise deformiert.

Gesicht - Maske – Rolle - Kultur – Schönheit - Schmerz – Haut – Narben – Körper - System

Gesicht und Maske
Verhüllen oder Hervorheben
Sich schminken, sein wahres Ich verstecken oder es unterstreichen
Eine Maske tragen oder sein Gesicht bemalen
Ist ein ungeschminktes Gesicht nackt wie ein Körper ohne Kleidung? 

Ansehen, deuten und lesen von Gesichtern 
Die Suche nach Ausdruck und Identität des Menschen
Topographische Relation der Oberfläche und Tiefe
Abbildung der Physiognomie (mimesis) und ihrer Verwandlung zum Antlitz (poiesis) 
Eine Doppelgestaltigkeit

Tarnung
Anonymität
Schutz
Kennzeichnung

Masken, Rollen und die Gesellschaft
Das Spiel und die Figur
Die Masken zum Anders sein, zum Etwas sein
Die Rollen, die gespielt werden
Anpassung 
Ausdruck 
Identifikation
Jemand sein
Mit einem Image bekleiden 
Im Spiel müssen bestimmte Regeln befolgt werden
Identität
Authentizität
Charakter
Moral
Ethik
Meinung
Alles wird als erstes vom Äußeren abgeleitet und bewertet
Offensichtliche Schönheit
Ästhetik
Natürlichkeit
Die Norm
Positive Eigenschaften

Das Marken ICH

Kultur und Kult
Kultur, Bearbeitung, Pflege ­– alles, was der Menschen gestaltet
Kult, rituelle Handlungen
Schmuck
Ohrlöcher zur Taufe

Schönheit und Attraktivität 
Selbst bei Hungersnöten sollen Menschen in Afrika noch tierische Fette zum Einreiben der Haut verwenden
In der sozialen Wahrnehmung ist das menschliche Gesicht von herausragender Bedeutung
Durch die Beurteilung des Gesichts werden dem Menschen soziale Eigenschaften oder bestimmte Attribute zugeschrieben

Kann Schönheit nur über die Augen wahrgenommen werden? 
Ist sie Blinden zugänglich? 

Schönheit und ihre seltsame Macht
Was ist das Schöne an der Schönheit?

Sich zum Objekt machen, um wieder zum Subjekt zu werden, zum wahren Selbst finden
Im Schönen das Gute sehen
Schön und Schein
Viel zu schön um wahr zu sein

Der Mensch ist immer ein Natur- und Kulturprodukt
Verschönerung ist ebenso natürlich wie unnatürlich
Schönheit ist keineswegs nur ein Oberflächenphänomen
Im Schönen zeigt sich ein Verlangen nach Ausdruck – eine Form von Menschsein
Seine Erscheinung zu gestalten, um damit auch über sein Selbstbild zu bestimmen
Schönheit als eine Form der Zuwendung

Schönheit entwickelt ihren eigentlichen Reiz erst im Wechselspiel 
zwischen kollektiven und Individuellen Fantasien
Wie die Kunst stirbt auch die Schönheit an jeder Art von Erstarrung
Die Kunst ist die größte Spezialistin für das Wechselspiel von Ideal und Eigenheit
Wie unideal oft unsere Idealvorstellung ist

Von der Kunst lernen, die es schon immer verstanden hat, selbst das Hässliche im verlockenden Licht der Schönheit aufscheinen zu lassen

Perfektion ist Tod

Schmerz
Ein Gefühl, ausgelöst durch eine Verletzung des Körpers oder der Seele. 
Schmerz wird sichtbar durch z. B. Veränderte, oft gekrümmte Körperhaltung, verzerrten Gesichtsausdruck, wird hörbar durch z. B. klagen, schreien, weinen oder wimmern, 
schmecken kann man Schmerz nicht, jedoch ihn auskosten
Befreiung durch Schmerz, 
Schmerzen brauchen, um sich zu spüren

Nackte Haut
Abdrücke
Spuren

Haut
Die Haut als Begrenzung
Ein Oberflächenrelief – Furchen, Falten, Felder Linien
Ein komplexes, aus mehreren Komponenten bestehendes Organ
Schutz-, Abwehr- und Grenzfunktion
Kommunikations- und Ausdrucksfunktion
Rezeptoren zur Erkennung der Außenwelt und Wahrnehmung von Gefahren
Haut als Spiegel der Seele

Schönheit und Schmerz
Bodymodification
Tätowierung
Branding 
Körperbemalung
Lebenslanger Körperschmuck, Piercings, Implantate 

Metapher der freien Gestaltung

Leiden, um schön zu sein?

Narben
ein Zeichen für Geschichte 
Markenzeichen oder Makel?

Narben als Schönheitsmerkmal
Als Körperschmuck 
Als Erinnerung an eine Verletzung des Körpers 
Als Resultat eigener oder fremder Körperverstümmelung 
Psychischen Schmerz sichtbar machen

Narbenkunst
Attribute der Anerkennung
Symbole der Erfüllung gesellschaftlicher Werte und Ideale
Lebenslange Zeichnungen – Zeugen der persönlichen Biographie

Narbenverzierungen
Als „Stammeszeichen“
Als Symbol der Fruchtbarkeit
Als Dokumentation von persönlichen Leistungen
Als Verzierung des Gesichts 
Als Darstellung von Alter und Status
Als Zeichen von Weiblichkeit und Attraktivität
Die persönliche Biographie zeigen

Der Körper
Als Gefäß
Als Raum
Existenz

Bondage – Unfreiheit
Kämpfen gegen Fesseln
Vergnügen an den Begrenzungen und dem Schmerz (Lustschmerz)
Gefesselt sein, um sich frei zu fühlen
Passivität und Aktivität
Gewalt und Lust 
Macht und Unterdrückung
In einer Position verharren
Meditation
Zwang
Zwangsjacke – Schutz vor Selbstverletzung

Seil

Netz
Verbundenheit
Struktur
Weg
Grenze
Linie und Fläche

Ist verwickelt, eingewickelt
Entwickelt sich
Entfaltet sich, breitet sich aus, bläht sich auf
Von einem Kern geht es aus
Aus einem Samen sprießt es
weitet sich aus, gebraucht Platz
Raum lüftet sich
Durchlässigkeit, Transparenz, Klarheit
Erkenntnis, sieht Struktur, begreift den Aufbau
Knoten
Verbunden an verschiedenen Punkten
Ein Netz, hält sich
Ein System